Was Ethan sich außer einem Footballspiel noch wünschte

Der Arzt zog die Tür zu Ethans Zimmer leise hinter sich zu. Die Krebsbehandlung schlug kaum noch an, sagte er. Jetzt komme es darauf an, dass unser Sohn möglichst viel Zeit mit uns verbringen könne und es ihm dabei so gut wie möglich gehe. Ethan war zehn. Als wir wieder zu ihm gingen, rückte er auf dem Bett ein Stück zur Seite, damit ich das Footballspiel im Fernsehen mit ihm anschauen konnte.

Am selben Nachmittag besuchte uns eine Mitarbeiterin einer Stiftung, die schwer kranken Kindern Wünsche erfüllte. Ethan wollte zu einem Footballspiel, gemeinsam mit Chris und mir. Seit Jahren verbrachten die beiden ihre Sonntage vor dem Fernseher. Im Stadion hatte Ethan seinen Lieblingsspieler noch nie gesehen.

Mit Zustimmung seines Behandlungsteams organisierte die Stiftung die Fahrt und die Plätze. Am Spieltag half Chris ihm in sein blaues Trikot. Während ich unsere Tasche packte, fragte Ethan seinen Vater, ob er diesmal leise bleiben könne, wenn der Schiedsrichter eine schlechte Entscheidung traf. Chris versprach, es zu versuchen. Ethan grinste. „Das hast du letzten Sonntag auch gesagt.“

Als wir ins Stadion kamen, blieb Ethan mitten im Gang stehen. Den ganzen Morgen hatte er geredet. Jetzt zeigte er einfach auf seinen Lieblingsspieler, der sich unten auf dem Rasen warm machte, und zog Chris am Ärmel.

In einer Spielpause erschien unsere Familie auf der Videowand. Ethan winkte so begeistert, dass ihm fast die Brezel aus der Hand fiel. Dann wurde die Musik leiser.

„Ethan, deine Eltern wissen noch nicht alles über euren Besuch“, sagte der Stadionsprecher. „Dreht euch bitte um.“

Auf der Treppe kam ein Mann auf uns zu. Neben mir wurde Chris blass und stand auf.

„Daniel?“

Hinter Daniel tauchte sein Sohn Noah mit einem blauen Fanschal auf. Er und Ethan waren monatelang in derselben Klinik behandelt worden. Die beiden hatten Footballspielzüge auf die Rückseiten ihrer Speisepläne gezeichnet. Währenddessen hatten Chris und Daniel oft im Flur zusammengesessen, bis ihr Kaffee kalt war.

Als Noah in eine andere Klinik verlegt wurde, hatte Chris den Jungen versprochen, sie eines Tages gemeinsam zu einem Spiel mitzunehmen. Die Familien schrieben sich noch eine Weile. Als es Ethan schlechter ging, glaubte Chris, dass er sein Versprechen nie mehr würde einlösen können.

Daniel hielt ihm einen gefalteten Zettel hin. Ethan hatte ihn der Mitarbeiterin der Stiftung bei ihrem zweiten Besuch zugesteckt. Sie hatte die Nachricht über die Klinik an Noahs Familie weitergeleitet. Ich erkannte sofort Ethans Handschrift.

„Noah, du musst mitkommen. Mein Dad hat uns beiden versprochen, dass wir mal zusammen im Stadion sitzen.“

Chris umarmte Daniel. Ethan zog seine Jacke vom freien Platz neben sich. „Hier, Noah. Du hast den ersten Touchdown verpasst.“ Er erklärte ihm den Spielzug so ausführlich, dass die beiden beinahe den nächsten verpassten.

Wenige Wochen später starb Ethan zu Hause. Chris und ich waren bei ihm.

Als die neue Saison begann, saßen wir wieder mit Daniel und Noah auf der Tribüne. Noah zog einen der alten Zettel aus dem Krankenhaus aus seiner Jackentasche. In der Ecke stand in Ethans krakeliger Schrift „COACH CHRIS“. Mein Mann strich das Papier auf seinem Knie glatt und rückte näher zu Noah.

„Zeig mir noch mal, wie ihr euch den Spielzug gedacht habt.“

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